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Wie du zum Sprinter wirst

Sprinttraining mit Hund

Wie schnell bist du aus der Puste? Vielleicht schon nach wenigen Metern? Oder weißt du garnicht, wie schnell du eigentlich laufen kannst, weil der letzte Spurt schon so lange her ist?

Dann wird es allerhöchste Zeit. Denn regelmäßiges Sprinten ist extrem effektiv.

Vorteile

Natürlich verbessert sich deine Geschwindigkeit und du kannst viel schneller schnell rennen. Ein weiterer, besonderer Vorteil ist, dass sich deine Körperhaltung und Lauftechnik generell verbessert. Regelmäßig so schnell wie möglich zu rennen, fordert den gesamten Organismus auf positive Weise. 

Durch das Training wird dein gesamter Körper gefordert. Sowohl dein Herz-Kreislauf-System als auch deine Muskulatur werden ordentlich gefordert. Durch den hohen Nachbrenneffekt und die Freisetzung von Wachstumshormonen, verbrennst du auch noch lange nach dem Training mehr Fett, als nach einem normalen Ausdauertraining. Du baust Muskulatur auf und deine Leistungsfähigkeit verbessert sich insgesamt.

Sprints für Hund  und Mensch?

Gemeinsam so schnell wie möglich zu rennen bringt Schwung in euren Gassigang. Wenn du regelmäßig mit deinem Hund laufen gehst, hast du sicher schon festgestellt, dass Hunde die gemeinsame, flotte Fortbewegung lieben. Indem du hin und wieder einige Meter sprintest, machst du dich für deinen Hund spannend und bleibst ein ernstzunehmender Laufpartner. Denn, wenn wir ehrlich sind: Rein objektiv betrachtet, lacht sich dein Hund vermutlich halb tot, wenn du megastolz bist, eben 100 Meter so schnell gerannt zu sein, wie es dir nur möglich ist. Das ist aber überhaupt nicht schlimm. Denn, wenn du Spaß hast und dich verausgabst, steckt die positive Stimmung deinen Hund an.

Was passiert im Körper

Beim Sprint befindet sich der Körper, nach einer sehr kurzen anaerobe Phase, in der aeroben Phase. Lange galt es als effektiver, Ausdauersport im anaeroben Bereich zu betreiben. Jedenfalls, wenn das Ziel die Fettverbrennung ist. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist und regelmäßige Einheiten, die kürzer aber dafür intensiver sind, wesentliche Vorteile bieten: Es wird mehr Muskelmasse aufgebaut, die auch außerhalb des Trainings mehr Energie verbraucht. Deine Knochendichte und Knochenfestigkeit verbessert sich. Durch die Geschwindigkeitsübungen lernt dein Körper, mehr Sauerstoff zu speichern, wodurch sich die Ressourcen deiner Muskulatur auch in anderen Trainingseinheiten erhöhen. 

Das bedeutet, dass es sehr sinnvoll ist, zum Ende deines Ausdauertrainings regelmäßig eine oder mehrere Sprints hinzulegen. Nicht nur, weil dein Hund das ganz sicher supergeil findet und das sonst ja eher eintönige Ausdauertraining in besonders guter Erinnerung behält, sondern auch, weil es dich insgesamt weiter bringt.

Quäle dich also nicht erst Wochen mit disziplinierten und eher langweiligen Joggingrunden, sondern trau dich ruhig mal, Gas zu geben. Sicher sind Sprints nicht das Mittel der Wahl, wenn du grade erst gestern das erste Mal Laufen warst, aber sobald du 3-5 km durchlaufen kannst, ohne zu heulen, darfst du ruhig mal "rumprobieren" und deine Grenzen austesten. 

Psychische Vorteile

Bei sehr intensiven Belastungen, auch, wenn sie nur kurz sind, wird dein Körper kurz "geschockt". Dabei sorgen Hormone dafür, dass sich dein Körper darauf einstellt, für das nächste "Schockerlebnis" besser vorbereitet zu sein. Das Resultat: Muskelwachstum. 

Aber was passiert mit dir selbst? So schnell zu rennen, wie du kannst, erfordert deine volle Konzentration. Für einen kurzen Moment kannst du nichts anderes denken. 

Was ich besonders faszinierend finde: Ganz häufig merken Hunde sofort, wenn ihr Mensch voll konzentriert lossprintet und schließen sich sofort an. Auch, wenn sie sonst eher dazu neigen, Rennen als Einladung zum Quatsch machen zu nutzen. Probiere es einfach mal aus. 

Während der Sprints schüttet der Körper Adrenalin und Noradrenalin aus. Da diese Hormone auch wieder abgebaut werden müssen, wird dein gesamter Hormonhaushalt einmal "durchgeschüttelt" und in der späteren Entspannungsphase werden Stresshormone abgebaut. Auch solche, die du während deines Alltags aufgebaut hast. 

Das kurze Hormonhigh führt nicht nur bei dir zu guter Laune und Stressabbau, sondern auch bei deinem Vierbeiner. In der Verhaltenstherapie ist dieses Phänomen bereits lange bekannt und wird mittlerweile auch immer häufiger in der Arbeit mit aggressiven oder unsicheren Hunden eingesetzt. Mit guten Ergebnissen.

Effekte für deinen Hund

Alle oben genannten Vorteile treffen auch auf deinen Hund zu. Deshalb ist gemeinsames Sprinten die perfekte Alternative zum Bällchenwerfen, wobei dein Hund schnell in das Hetzen übergeht, was viele negative Effekte hat. 

Wer also seinen Hund auspowern möchte, kann die kleinen Sprints nutzen um auch beim Hund Stress abzubauen. Gleichzeitig stärkst du, wie bei fast jeder Aktivität, eure Bindung. 

Auch die Knochen und Bänder deines Hundes verbessern sich in Festigkeit und Dichte und durch Auslaufen, ohne harte Stopps (wie etwa bei Wurfspielen), sind Gelenkschäden beim Hund eher zu vernachlässigen.

Was ist Sprinten genau?

Sprinten bedeutet Rennen bei maximaler Geschwindigkeit über eine kurze Distanz bis an deine Grenze der sogenannten "körperlichen Leistungsfähigkeit". Noch schneller kannst du nur unter Todesangst rennen ;-)

Wer regelmäßig sprintet, macht in allen Bereichen schneller Fortschritte und du kannst die Zeit,  bis deine Muskeln übersäuern, deutlich verlängern. Du wirst robuster und anpassungsfähiger. Nicht nur während des Sports, sondern auch im Alltag. Dein Körper lernt, mit plötzlichen Belastungen, auch Stress, besser umzugehen.

Erholungsphasen sind wichtig

Auch wenn das Sprinten schnell richtig Spaß macht, solltest du dir Erholungsphasen gönnen und es, besonders anfangs, nicht übertreiben. Dein Körper benötigt Pausen, um seine Energiereserven wieder aufzufüllen und sich auf die nächste Belastung vorzubereiten. Fühlst du dich müde oder sprintest, obwohl deine Muskulatur bereits erschöpft ist, riskierst du Verletzungen. Deshalb ist Regelmäßigkeit und Erholung wichtig und es gilt immer die Regel: Qualität vor Quantität. 

Wenn wir das Ganze auf unsere vierbeinigen Begleiter übertragen, wird schnell deutlich, dass diese Trainingsregeln für sie genauso gelten sollten. Viel zu oft beobachte ich, dass mit Hunden hinsichtlich ihrer körperlichen Auslastung nicht grade zimperlich umgegangen wird. Allzuoft wechseln sich sehr plötzliche, intensive Belastungen mit tagelangem Nichtstun ab. Kein Wunder, dass Hundephysiotherapeuten sich vor Anfragen kaum retten können. Hunde hören nicht in sich hinein, lesen keine Blogartikel über das Für und Wider von Auspowereinheiten im Hundetraining und denken nicht an die möglichen Konsequenzen, wenn sie die Möglichkeit haben, mal richtig Gas zu geben oder zum hundertsten Mal dem Ball hinterher zu hetzen. Sie finden es in dem Moment einfach nur geil, Schmerzen werden weniger bis kaum wahrgenommen. Gelenk- und Muskelverletzungen sind oft die Folge und bleiben leider auch häufig über längere Zeit unbemerkt.

Wenn du mehr über das Jagdverhalten des Hundes erfahren möchtest, und weshalb ich vom Bällchenwerfen bei fast jedem Hund abrate, dann gefällt dir sicher diese Artikel zum Thema Jagdverhalten:

Die Sprint-Technik

Ich finde es immer ein bisschen schwierig, Techniken für Bewegungsabläufe zu beschreiben, die uns eigentlich im Blut liegen. Meist machen wir Vieles intuitiv richtig und erst die Ablenkung durch irgendwelche Anweisungen wie "beuge dich beim Sprinten nach vorne" führen dazu, dass sich das Ganze irgendwie komisch anfühlt.

Trotzdem möchte ich dir die wichtigsten Tipps nicht vorenthalten:

  1. Auf den ersten Metern beschleunigst du so schnell du kannst. Ganz doll!!! Hier wird die sogenannte Explosivkraft trainiert.
  2. Leicht nach vorne beugen,
  3. kleine Schritte machen,
  4. dann mit der Zeit die Schritte noch schneller, kräftiger und länger werden lassen,
  5. der Bodenkontakt wird immer kürzer.
  6. Setze deine Arme ein! Du wirst erstaunt sein, was man damit rausholen kann. 
  7. Mit dem Armeinsatz richtest du dich auf und rennst so schnell wie du kannst. 

Zwei Sprintvarianten für dich und deinen Hund

Mit dem Hund um die Wette

Bei dieser Variante beschleunigst du aus dem Laufen heraus und wirst schnell merken, dass dein Hund Spaß daran hat, sich mit dir zu messen, denn auch er wird beschleunigen und vermutlich zügig an dir vorbeiziehen.

Das darf er ruhig, weshalb ich dir rate, mit den Sprints aus dem Freilauf heraus zu starten. Laufe dann wieder langsamer und feier deinen Hund dafür, dass er netterweise wieder zu dir kommt und dich tröstet.

Hase & Igel

Diese Übung ist eher für Fortgeschrittene. Hierbei solltest du über Trittsicherheit verfügen und schon eine gewisse Kondition aufgebaut haben. Außerdem ist hier ein gutes Warm-Up besonders wichtig.

Auch hier kannst du aus dem Laufen heraus starten. Sobald dich dein Hund jedoch überholt hat, stoppst du abrupt und sprintest in die entgegen gesetzte Richtung. Dein Hund wird alles daran setzen, dich so schnell wie möglich einzuholen aber schnell merken, dass er mit seinen Überholmanövern ins Leere läuft, denn du sprintest schon wieder in die andere Richtung. 

Tipps für das Sprinten mit Hund

Ich rate dir, nicht immer an der gleichen Stelle zu sprinten. Meist stellt sich bei vielen Hunden, nach einigen Wiederholungen eine gewisse, ortsbezogene Erwartungshaltung ein, die durchaus nerven kann. Das kann man sich natürlich auch zunutze machen, hängt aber auch immer ein wenig vom Wesen deines Hundes ab. Achte immer darauf, ob dein Hund während der Sprinteinheiten noch konzentriert bleibt oder völlig die Beherrschung verliert.

Manche Vierbeiner sind von den neuen Renn-Einlagen so begeistert, dass sie kein Halten mehr kennen oder versuchen, dich immer wieder zum schnelleren Rennen zu motivieren. 

Auch deshalb ist regelmäßiges Training mit Hund, bei dem sich actionreiche und ruhige Bewegungsmuster abwechseln, wichtig. Mit der Zeit lernt dein Hund, sich besser zu beherrschen und schnell wieder zu beruhigen.

Starte durch

Zögere nicht und probiere es einfach mal aus. Es ist nichts dabei, für die nächste Gassirunde Laufschuhe anzuziehen und anfangs nur wenige Meter zu joggen. Du wirst schnell merken, dass du dich von Mal zu Mal verbesserst.

Wenn du Schwierigkeiten hast, deinen Hund beim Laufen zu managen, dein Hund dauernd an dir hochspringt, in die Leine beißt oder zieht wie ein Wilder, rate ich dir, in ein solides Grundlagentraining zu investieren. Häufig braucht es nur ein paar gute Übungen, die du regelmäßig durchführst und schon klappt es viel besser.

 

Die Basics dafür lernst du entweder im Beginner-Kurs oder auch im Einzelcoaching. Hier kann auf eure individuellen Herausforderungen nochmal intensiver eingegangen werden und du kannst ohne Druck in euer Lauftraining starten.

 

Viel Spaß beim Rennen, 

deine

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Kommentare: 1
  • #1

    Stephie Richter (Donnerstag, 23 Mai 2019 06:51)

    Eine super Anregung! Macht richtig Lust, sofort sprinten zu gehen �

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