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Wie du deinem Hund in 6 Schritten das Einparken beibringst

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Zunächst arbeiten wir daran, dass sich dein Hund traut unhöflich zu sein. Ja, genau. Denn unter Hunden gilt es als nicht sehr nett, wenn man den Wohlfühlabstand eines Artgenossen einfach so unterschreitet.

Besonders beim gemeinsamen Fitnesstraining passiert das ja sehr oft. Wir fassen den Hund an, machen ungewohnte Bewegungen und wecken so möglicherweise das Misstrauen des Hundes.

Wir Menschen ticken da ganz ähnlich. Auch wir sind meist erstmal skeptisch, wenn es um Partnerübungen geht.

Dabei zieht jeder seine eigene Grenze. Den einen stört es schon, wenn sich jemand im Gespräch einfach zu dicht vor einen stellt. Der andere fühlt sich erst überrumpelt, wenn er berührt wird. Je vertrauensvoller die Beziehung zueinander ist, umso eher sind wir bereit, Zugeständnisse zu machen und desto schneller fühlen wir uns wohl. 

Deinem Hund geht es da genauso. 

Lass uns deinen Hund daran gewöhnen, dass es ok ist, sich sehr nahe zu kommen und er dir vertrauen kann, wenn du dich über ihn beugst oder anfasst.

Schritt 1: Ganz nah

  1. Lass deinen Hund einige Schritte entfernt warten und lege einen Keks zwischen deine Füße.
  2. Auf dein Signal hin darf er sich den Keks holen.

  3. Wiederhole diesen Schritt mehrmals, bis dein Hund den verschiedenen Richtungen holt.

Worauf solltest du achten?

Dein Hund sollte dabei angstfrei sein und den Keks zwar zügig auflesen, dabei aber keine Scheu zeigen. Lass ihm aber ruhig Zeit, wenn er sich dir vorsichtig nähert. Verhalte dich dabei ruhig und lobe nicht zu überschwänglich. Vorsichtige Hunde erschrecken sich dann häufig. 

 

Was dein Hund noch lernt:

Während dieser Übung lernt dein Hund auch geduldiges Warten. Variiere auch, in welcher Position dein Hund warten soll, bevor er sich den Keks abholen darf. So kannst du ihn mal sitzen, stehen oder liegen lassen, während du dich entfernst und den Keks zwischen deinen Füßen platzierst.

Schritt 2: Hinterrücks

  1. Drehe dich nun immer von deinem Hund weg, bevor du den Keks zwischen deine Füße legst.
  2. Rufe deinen Hund mit "Nimm" oder einem ähnlichen Signal zu dir, damit er sich den Keks schnappen kann.
  3. Achte darauf, dass dein Hund nun immer von hinten zwischen deine Füße laufen muss, um an den Keks zu gelangen.
  4. Verändere dabei deine Haltung: Du stehst immer mit dem Rücken zu deinem Hund, beugst dich aber mal mehr und mal weniger nach vorne. Dabei kannst du "nach hinten" zwischen deinen Füßen zum Hund schauen.

Tipp: 

Positioniere dich so, dass dein Hund nicht um dich herum gehen kann, sondern gezwungen ist, von hinten zwischen deine Füße zu laufen. Dafür eignen sich Möbel oder deine Sporttasche.

 

 Achtung: Zwinge deinen Hund niemals in eine gewünschte Position, indem du ihn in die gewünschte Position zerrst, ziehst oder drückst. Damit zerstörst du das, was du trainieren möchtest: Vertrauen!

 

Was dein Hund noch lernt:

Auch, wenn du deinem Hund den Rücken zuwendest, gelten deine Signale und ihr seid immer noch beide "in der Übung".

Schritt 3: Halten

  1. Wenn dein Hund sich den Keks zwischen deinen Füßen geschnappt hat, fütterst du ihn nun weiter aus der Hand.
  2. Füttere anfangs pro Sekunden einen Keks.
  3. Belohne nur so lange, wie dein Hund sich noch zwischen deinen Füßen befindet.
  4. Sobald dein Hund die gewünschte Position (Zwischen deinen Füßen stehen) verlässt, hörst du mit dem Füttern auf und beginnst mit der Übung von vorne.

Worauf solltest du achten?

Dein Hund soll ruhig und abwartend zwischen deinen Füßen stehen. Belohne also genau das. Nichts anderes und frage dich:

  • Ist mein Hund entspannt und vertrauensvoll?
  • Steht er zwischen meinen Füßen?

Setzt sich dein Hund oder geht einige Schritte nach vorne, nach hinten oder dreht sich, hört das Füttern sofort auf. Dein Hund darf in diesem Schritt also noch selbst entscheiden, wie viel er für deine Belohnungen tun möchte und wann es ihm zu viel wird oder zu lange dauert.

 

Tipp: 

Ist diese Übung für deinen Hund neu, darfst du anfangs für das Halten der Position in ganz kleinen Abständen belohnen. Jede Sekunde, die dein Hund das tut, was er soll, darf sich für ihn lohnen.

Nutze deshalb sehr kleine, weiche Kekse oder lass deinen Hund sein normales Futter häppchenweise verdienen. 

Schritt 4: Festigen

Übe nun an verschiedenen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten. So festigst du das Erlernte schneller. Bei Regenwetter, so wie an diesem wundervollen Tag, an dem ich diesen Artikel schreibe, kannst du aber auch erstmal indoor trainieren. Auch hier bieten sich viele Möglichkeiten, um Abwechslung reinzubringen:

Indoor-Varianten

  • Lass deinen Hund in verschiedenen Positionen warten (siehe oben),
  • ruf deinen Hund mal ohne Vorwarnung und überrasche ihn mit der Übungswiederholung, wenn er grade mit etwas anderem beschäftigt ist,
  • lass deinen Hund auf verschiedenen Untergründen oder Möbeln warten: Couch, ein Stuhl, Teppich, Fliesen, anderer Raum.
  • Vergrößere die Distanz oder verstecke dich irgendwo,
  • Platziere Hindernisse zwischen dich und deinen Hund, die dein Hund überwinden muss, um zu dir zu kommen.

Outdoor

  • Nutze verschiedene Untergründe: Kiesweg , Schotter, Waldweg, Laub, Wiese, Teer,
  • ruf auch hier deinen Hund zur Übung (Nimm oder Such o.Ä.), wenn er grade irgendwo schnuppert,
  • lass deinen Hund mal auf einem Baumstumpf oder einer Bank warten, hinter einem Gebüsch oder einer Weggabelung,
  • Variiere die Entfernung zu deinem Hund,
  • Lass deinen Hund auf dem Weg zu dir, deinen Füßen und dem Keks Hindernisse bewältigen.
  • Übe zu verschiedenen Tageszeiten und auch dann, wenn ihr an diesem Ort normalerweise etwas ganz anderes tut.

Was dein Hund noch lernt:

Ich denke spätestens jetzt ist klar, dass man selbst mit einer so simplen Vorübung jede Menge Abwechslung in das Hundetraining bringen kann und nach Lust und Laune Action in den Gassigang bringen kann. Nebenbei förderst du die Aufmerksamkeit deines Hundes.

Schritt 5: Signal einüben

Erst jetzt, wenn dein Hund nach Aufforderung (Nimm, Such, Name des Hundes o.Ä.) losläuft, zwischen deinen Füßen landet und dort seine Belohnungen erhält, wird das Signal eingeübt. Dein Hund kann das erwünschte Verhalten jetzt also schon ganz gut und wir benennen das Ganze nun nur noch.

Ich nenne diese Übung "Einparken" und habe das Verhalten folgendermaßen definiert:

Egal von wo und aus welcher Situation, soll mein Hund angelaufen kommen,

sich zwischen meine Füße stellen und dort bleiben.

Meine Füße sind etwa hüftbreit (je nach Größe des Hundes) auseinander und je nach Bedarf entscheide ich dann, ob er sich nun hinsetzen, hinlegen oder einfach weiterhin stehen bleiben soll. So bleibe ich für alle etwaigen Fitnessübungen aus dieser Position heraus flexibel und kann meinen Hund gut steuern.

Auch kann ich mich auf mein Training konzentrieren, beispielsweise Kniebeugen machen, während mein Hund seine Position einfach hält.

  1. Neues Signale sagen "Einparken", dann das alte Signal dranhängen (z.B. "Such")
  2. Hund kommt zwischen die Füße. Dort liegt nun kein Keks mehr. Dafür greife ich sofort in die Tasche und belohne ihn direkt aus der Hand.
  3. Kurz warten und noch einige Male für das Bleiben in der Position belohnen.
  4. Auflösungssignal geben (z.B. "Lauf") & die Übung ist beendet.

Was dein Hund dabei lernt:

"Aha, immer wenn es heißt "Einparken", kommt danach das schon bekannte Spiel "zwischen die Füße rennen und dort warten". 

Dein Hund verknüpft das neue Signale mit dem vorher geübten Verhalten!

 

Wichtig:

Da du nun ein Signal, sprich "Kommando" verwendest, braucht es auch ein Ende-Signal: das Auflösungssignal, welches deinem Hund signalisiert, dass er sich nun wieder frei bewegen darf, das Signal also aufgehoben ist. Ich verwende zum Beenden aller Signale, die meine Hunde kennen, das Wort "Lauf" und eine ausladende aber ruhige Handbewegung. Beenden meine Hunde die Übung schon vorher, wiederhole ich das Kommando erneut. Klappt es mehrmals nicht, habe ich das Verharren in der Übung möglicherweise noch nicht gut genug gefestigt und gehe nochmal einen Trainingsschritt zurück.

Schritt 6: Perfektionieren

Du hast es geschafft und ganz locker flockig ein neues Verhalten geformt und mit einem entsprechenden Signal verbunden. Nebenbei hat dein Hund gelernt, dass es total ok ist, zwischen deinen Füßen zu stehen, dass es nicht bedrohlich ist, wenn du dich über ihn beugst und dass es sich lohnt, ein Signal über einen längeren Zeitraum auszuführen, oder besser: zu halten. Aus dieser Grundposition kannst du viele verschiedene Fitnessübungen machen, die auch für Anfänger super geeignet sind. Das machen wir beispielsweise im Beginner-Kurs bis zum Umfallen. Hier lernst du auch nochmal schrittweise, wie du das Einparken übst, verbesserst und für euer Workout einsetzen kannst.

 

Nun kannst du das "Einparken" im Alltag immer mal wieder üben und wiederholen. Je abwechslungsreicher die Orte, Situationen und Zeiten sind, umso nachhaltiger wird das entsprechende Signal mit dem Verhalten verknüpft und gefestigt.

Im Übrigen nutze ich das Einparksignal manchmal sogar als Rückrufsignal. Durch den spielerischen Aufbau haben meine Hunde so viel Spaß an dieser Übung, dass sie super schnell angeflitzt kommen und praktischerweise auch direkt "eingeparkt" sind.

Steig mit ein

Wenn dir die Übung Spaß gemacht hat, dann komm doch einfach mal in einen meiner Beginner-Kurse. Es ist wirklich garnicht schwer einzusteigen und macht unglaublich viel Spaß, mit dem Hund gemeinsam aktiv zu sein und sich jedes Mal zu verbessern.

Du kannst jederzeit einsteigen und alle Übungen können so gestaltet werden, dass sie für euer Level passen. Es gibt also fast keine Ausreden.

 

P.S. Für ganz Schüchterne gibt es übrigens auch die Möglichkeit das Workout mit Hund erstmal im Einzelcoaching zu probieren. Ruf mich einfach an und schon geht'
s los.

Ich freu mich auf dich und deinen Hund,

deine


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